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Was unterscheidet den Menschen vom Tier? Eine Frage, die die Menschen von je her beschäftigt. Die einen sagen der Verstand, die anderen die Fähigkeit Werkzeuge zu benutzen oder zu fühlen, eine Seele. Viele Denker der Geschichte sprechen Tieren jegliche Formen von Seele, von Verstand,von praktischer Intelligenz ab.

Dennoch tauchen Tiere immer wieder als Spiegel der Menschen und ihres Verhaltens, ihrer Eigenarten auf – Als anthropomorphe Protagonisten fiktiver Welten, die unsere abbilden. Diese Mimese verfolgt die Absicht, ein jeweiliges Welt-/Menschenbild zu generieren, in dem das Bild beispielsweise bestätigt oder auch kritisch hinterfragt wird. So stabilisiert laut Gerhard Neumann der Hund unser Menschenbild: Er blicke von unten herauf und stände dem Menschen loyal und treu zur Seite, ohne ihn dabei in Frage zu stellen. Der Mensch dominiere den Hund. Jedoch kann man Nuancen in den unterschiedlichen Rassen setzen: während Pudel eher parfümiert und oberflächlich wirken können, so strahlen Schäferhunde Disziplin und Schärfe aus. Eins haben sie dennoch gemein: In vielen Momenten werden sie von ihren Affekten geleitet und werden damit wieder dem Menschen untergeordnet. Ein schönes Beispiel hierzu ist im Film Oben (Disney/Pixar’s, 2009) zu finden, in dem die abgerichteten Hunde beim Anblick eines Balles sofort zu verspielten, harmlosen Tieren werden oder bei dem Ausruf „Katze“ alles um sich herum vergessen und sowohl suchend, als auch apathisch ins Leere starren.

Der Affe, laut Neumann, hingegen rüttele an unserem Weltbild und hielte uns einen Spiegel vor. Betrachten wir hierzu den Affen aus KafkasBericht für eine Akademie. Rotpeter, so sein Name, gibt einer Akademie einen Bericht über seine Menschwerdung ab, er schildert seine Erlebnisse und reflektiert den Prozess, den er auf seinem Weg durchlebte. Der Affe wirkt in seinem Erzählen eher wie eine Travestie des Menschen, ein Affe, der sich die Kultur des Menschen nicht sichtbar, sondern eher unsichtbar durch Sprache überzieht. Dennoch wird er von den Menschen als ihresgleichen akzeptiert. Durch den Bericht über die nicht ganz ungezwungene Menschwerdung werden Fehler und Kräfte der menschlichen Kultur aufgedeckt, es ist nicht erwünscht, dass man lange im Urzustand bleibt, eine möglichst schnelle und effektive Sozialisierung ist das Ziel der Gesellschaft.

Dadurch kommt es auch dazu, dass man seine tierische Herkunft und die einhergehenden Bedürfnisse verleugnen muss. Ein Affe ist kein Mensch, muss dies jedoch vergessen(verleugnen), um weiter zu kommen. Die Figur des Affen ist so gut wie immer satirischer Natur, die die Selbstherrlichkeit des Menschen untergräbt, in dem sie ihm den Spiegel vorhält – Was seltendezent passiert. Im Disneyfilm Das Dschungelbuch (Disney, 1986), nach Motiven des gleichnamigen Buches von Rudyard Kipling, liefert auch eine Affenfigur, die im Gegensatz zum gedruckten Original harmloser gestaltet ist. Der Affenkönig möchte vom Menschen das Geheimnis des Feuers erfahren. Die Fähigkeit Feuer zu machen ist eine der wichtigsten und vor allem mächtigsten Errungenschaften der menschlichen Entwicklung, werFeuer hat, hat Macht über andere. Hier kann man das Bedürfnis sehen, sich über andere zu stellen, etwas höheres zu sein. Sicherlich auch eine Kritik am Menschen. In Kiplings Vorlage werden die Affen, anders als im Trickfilm,von den anderen Tieren aufgrund ihrer Gesetzeslosigkeit gemieden. Der Mensch hat im Vergleich zum Urzustand (nicht im kontraktualistischen Sinne) der Tiere andere Gesetze, die anders wirken, sich von den Gesetzen der Natur unterscheiden. Somit können auch die Dschungelbuch-Affen als Analogie zu den Menschen gesehen werden, genau wie Kafkas Rotpeter, welche unser Selbstbild destabilisieren wollen, sie wollen den Menschen von seinem Sockel stoßen und zur Rückkehr in den Urzustand bewegen, zumindest dazu bringen, ihn nicht weiter zu leugnen.

Als dritte Figur nennt Neumann die Katze. Mit ihr möchte man das Menschenbild weder stark stabilisieren, noch an ihm rütteln. Anthropomorphe Katzen, wie der gestiefelte Kater oder auch ETA Hoffmanns Kater Murr, spiegelten den Menschen in seinem Habitus und wirken dabei meist vollkommener als die an der Geschichte beteiligten Menschen. In Geschichten mit Katzen sind Mensch und Tier meist gleichermaßen fehlerhaft. So ist im Gestiefelten Kater nicht etwa der Kater von Affekten geleitet, sondern der König. Er gibt sich seinen Gelüsten hin und zeigt eine schwankende Stimmung, es regieren andere für ihn. Die auftretenden Katzen sind meist besonders elegant und weise, sie zeigen Verstand überlegen, bevor sie handeln. Auch hier findet man zwei Beispiele im Dschungelbuch: Zu einem der joviale und intelligente Bagheera, zum anderen er ebenso intelligente, aber weitaus bösartigere Shir Khan. Gerade die Katzen zeigen Eigenschaften, die vorzugsweise dem Menschen zu geschrieben werden: Vernunft und Verstand, Bagheera interveniert, überblickt die Geschehnisse. Intelligenz und Machtgier, Shir Khan ist manipulativ und möchte seine Herrscherrolle im Dschungel sicher wissen. Die Katzen nehmen meist die differenzierteren Charaktere ein, sie sind mehrschichtig und meist nicht leicht zu durchschauen. Hiermit hätten wir die drei Rollen der genannte Tiere an Beispielen charakterisiert. Aber gibt es ein Tier, dass das Menschenbild nicht nur destabilisiert und es zum wackeln bringt? Ein Tier, dass das Bild destruiert, wenn nicht sogar anihiliert?

Das Insekt. Insekten, in mannigfaltiger Vorkommensweise, werden von den meisten Menschen als angst einflößend, widerlich und vor allem verstörend empfunden. Käfer, Würmer und Fluginsekten, sie gelten als Boten von Tod und Verwesung, von Dreck und Unrat.

Beim Anblick von Maden denken die meisten wohl an verdorbenes Essen oder verwesendes Fleisch, an übelkeiterregende Gerüche und noch mehr Insekten, die sich um das Festmahl tummeln. Mit solchen Insekten wirdimmer Zerstörung, Vergänglichkeit und Angst verbunden. In der Literatur finden wir Insekten bei Kafka, Pushkin und in der bekannteren Kurzgeschichte Die Fliege von George Langelaan, welche auch mehrmals verfilmt wurde. In dieser Geschichte entsteht durch einen missglückten Teleportationsversuch aus einem Wissenschaftler ein Hybrid aus Mensch und Fliege. Er lebt nun mit Kopf und Armen der Fliege, seine fehlenden Extremitäten sind nun an der Fliege, welche aber unauffindbar ist. Schnell wird ihm klar, dass er so nicht weiterleben kann und bittet seine Frau, ihn umzubringen und die mutierten Körperteile in einer Presse zu verstümmeln. Schnell fällt auf, dass gerade die Verschmelzung mit einem Insekt der Geschichte eine bizarre und verstörende Note gibt, der Protagonist muss einsehen, dass er das Geschehene nicht umkehren kann und sieht die einzige Lösung in der Zerstörung seiner selbst. Wäre er mit einem Hund oder einem anderen Säugetier verwachsen, wäre wohl zu erwarten gewesen, dass die Geschichte weniger schrecklich geworden wäre.

Vielleicht liegt es daran, dass wir mit Insekten keinerlei Gefühle und Emotionen verbinden, sie sind für die breite Bevölkerung leere Chitinpanzer, die keine Regung empfinden. Diese verstörende Komponente, die anscheinend die unbewusstesten Ängste unserer Seele erreicht, wird in der Verfilmung aus dem Jahr 1986 ausgereizt. Es ist nun kein von einer auf die andere Sekunde geänderter Zustand, es ist ein schleichender Prozess, der das Ich des Wissenschaftlers Brundle langsam zersetzt, es auslöscht. Der Wahnsinn ist von Minute zu Minute zu spüren, der Betrachter muss kämpfen, ihn nicht ebenso zu verfallen. Dieser Film zeigt äußerst angst einflößend, wie die Figur des Insekts wirkt. Sie anihiliert den Menschen, er löst sich auf. Sie löst Angst aus und treibt in den Wahnsinn. Insekten lösen Gefühle aus, die wir nur selten anderswo erfahren. Sie erniedrigen den Menschen auf eine Stufe unter das Tier, sie nehmen ihm seine Identität, wie Maden und Käfer einer Leiche durch den natürlichen Verwesungsprozess das Gesicht nehmen.

In Kafkas Die Verwandlung wacht der Handlungsreisende Samsa eines Morgens als Käfer auf. Er ist der menschlichen Sprache nicht mehr mächtig und seine Familie reagiert erst entsetzt auf sein Erscheinungsbild. Zuerst wird er noch von seiner Schwester mit Nahrung versorgt, welche sich aus Abfällen und Knochen zusammensetzt. Doch dann ignoriert die Familie zunehmend seine Existenz und sein Anderssein. Nach seinem Tod, welchen die Familie erleichtert entgegen nimmt, wird er mit dem Besen einfach ausgekehrt und entsorgt. Auch hier ist das Insekt wieder in der Rolle des Identitätslosen. Samsa kann nicht kommunizieren und seine Familie blendet seine Existenz schnell aus. Sie sind von ihm angeekelt und fühlen sich von seinem Dasein eher belästigt. Der Käfer ist hilflos in seiner Lage, kann sich aber auch nicht auf eine menschlichen Kenntnisse verlassen, da diese langsam schwinden. Ebenso verstören seine Essgewohnheiten. Mit für Menschen normales Essen kann er nichts mehr anfangen, es schmeckt ihm nicht. Erst Abfälle pflanzlicher und tierischer Herkunft befriedigen seinen Hunger. Samsa hat seine Würde als Mensch längst verloren. Durch diese Beispiele könnte man also behaupten, dass die Rolle des Insekts in Literatur und Film ist, den Menschen in seinen ursprünglichsten Ängsten zu rühren, ihm seine Würde als Mensch zu nehmen und ihn an den schleichenden Verfall (seiner selbst) zu erinnern. Insekten und Wahnsinn sind in der Kunst dicht bei einander. Tiere geben der Kunst die Möglichkeit, Kritik zu üben und Verhaltensweisen aufzudecken oder zu evozieren. Man kann mit ihnen Bilder bestärken, sie ins Lächerliche ziehen oder mit ihnen archaische Ängste auslösen. Es bleibt also zu erwarten, dass der Mensch sich selbst auch weiterhin als Tier abbildet, um seine Stellung als Nichttier zu manifestieren. Eines der vielen Paradoxa der menschlichen Art.

(C) Jasmin S. Paderborn 2011

 


Ich möchte hiermit gerade ein wenig meine Gedanken zum Buch“Flammenbrut“ von Beckett zusammenfügen. Nachdem ich es heute beendet habe, lässt es mich nicht mehr los. Lange nicht mehr hat mich ein Buch berührt, sodass ich weinen musste – ob es angebracht ist, ist definitiv etwas anderes. Sicherlich gibt es mehr als genug Menschen, die es nicht verstehen werden.
Worum geht es in dem Buch? Ganz ehrlich: Ich habe keinen Bock ne Inhaltsangabe zu schreiben, aber im Netz habe ich keine gefunden. Ergo: Ich muss es machen.
Kate Powell hat eine aufsteigende PR-Agentur und lässt sich noch von ihrem Ex Paul schikanieren. Dennoch findet sie ihr Leben mehr als trist und weiß nicht warum. Da kommt ihr irgendwann die Erleuchtung: EIN BABY! Aber bitte ohne einen nervigen Mann als Vater.
Was nun? Zweite Erleuchtung dank der Cosmopolitan: KÜNSTLICHE BEFRUCHTUNG!! Begeistert von dem Gedanken sucht sie sämtliche Kliniken in der Umgebung von London auf, muss jedoch feststellen, dass keine irgendwelche Daten über die Spender rausgeben will. So ganz anonym soll der Vater doch nicht sein, könnte sich ja um ein Arschloch wie ihren Ex handeln. No Go. Was nun? Lucy, ihre beste Freundin, bringt Kate unfreiwillig auf die Idee, einen bekannten Spender zu verwenden. Nach viel Bla und Blubb, inserieren in Fachzeitschriften, meldet sich Alex Turner, seiner Angaben nach Dr. der klinischen Psychologie.
Kate ist hin und weg vom schüchternen, attraktiven Mann. Auch nach ausgiebigen Recherchen: Der ideale Spender. Sie findet eine Klinik, die das auch so machen würde und alle sind quasi glücklich. Alex und sie verbringen viel Zeit, es knistert, aber nein kein Mann, so war das. Nachdem die Befruchtung aber durchgenommen wurde, wird Kate am Abend unerwartet auch noch mal von Alex durchgenommen. Auch wenn es Anlaufschwierigkeiten gibt (Virginität des Männchens, welcher ein erfrühter Samenerguss folgt, welcher wiederum Frustration folgt, welcher wiederum weibliches Verständnis und Nächte voll leidenschaftlichen Sex’ folgen. (Trivial?)). Sie werden mehr oder minder ein Paar, glücklich, zufrieden. Dann geht Alex eines Tages aus dem Haus, Kate macht einen Schwangerschaftstest und hey, er ist positiv. Sie ruft bei ihm in der Klinik an, er hat keine Zeit, daher schickt sie ihm ein Fax.
Alex meldet sich nicht. Einen Tag später steht die Polizei vor der Tür: Das Büro von Dr. Alex Turner sei abgebrannt und er mit ihm. Seine Ehefrau sei nicht in der Lage ihn zu identifizieren, daher solle Kate dies als die „Geliebte“ tun. Starr vor Schreck und Ärger und Angst macht sie sich auf: Der Tote ist nicht Alex! Huch, ja wer denn dann? Sie gibt dem Polizisten ein Foto von ihrem Alex, in der Hoffnung, das Missverständnis würde sich klären.
Tut es auch. Ihr Alex ist ein Timothy, kein Arzt sondern der Patient des echten Turner, ein schizoider Pyromane, der seine Familie samt Haus abgefackelt hatte.
Schock. Kate ist durch und durch überfordert. Was nun? Sie geht nach Hause, nach ein paar Tagen meldet sich Timothy aka Alex. Er ist wie ein Häufchen Elend, weiß nicht, was in ihn gefahren ist. Er hat sich als Turner ausgegeben, damit er eine Chance hatte, dass sie ihn als Vater auswählt. Denn er wollte nur eins: Wissen, dass er ein Kind gezeugt hat, dass geliebt würde, dass er so eine zweite Chance bekäme. Und noch viel schlimmer: Er liebt sie.
Kate interessiert das nicht, obwohl, doch schon, aber sie reagiert wie eine echte Frau, eine echte schwangere Frau und wir hysterisch. Sie habe das Kind abgetrieben. Verbrannt. Getötet.
Diese Aussage bringt das Fass bei Timothy zum Überlaufen, er versteht nicht, wie man ein Kind töten kann, er hört nicht mehr, wie Kate ihm versucht beizubringen, dass es ein Scherz war. So, was folgt nun? Kate wird Opfer eines Brandanschlages, einer Plakate-Mobbingaktion (wodurch alle Kunden ihrer Firma ihre Aufträge zurückziehen), Paul wird ermordet und am Schluss werden ihre Freunde als Geiseln genommen und sollen angezündet werden. Der Showdown quasi.
Kate soll ihre Freunde anzünden. Sie schafft es jedoch auf Timothy einzureden, die beiden merken, dass sie sich eigentlich lieben, Kate kann ihm endlich klar machen, dass sie immer noch einen Braten in der Röhre hat und ihm tut es alles auf einmal irrsinnig leid. So leid, dass er sterben will. Er tut das, was tibetanische Mönche machen, er zündet sich an (jaja, nicht PC aber ihr könnt mich mal).
Mit vielen Verbrennungen schafft es Kate sich und die Familie samt Kindern zu retten, selbst den stark verbrannten Timothy kann sie noch kurz vor seinem Ableben retten. Das Buch endet mit dem Epilog, dass ihre Haare nachgewachsen waren und einen Jungen zur Welt bringt.

Das war der Inhalt des Buches. Es ist unglaublich vorhersehbar, es ist auch irgendwie kein Thriller, aber dennoch hat mich das Buch berührt. Es war die Figur des Alex Turner bzw des Timothy Ellis. Ein unglaublicher Dialog im Buch lautet (nachdem sich vor den Augen der beiden ein Mann in ein Festfeuer gestürzt hat)
K: „Es scheint mir so… Ich weiß nicht. Irgendwie egoistisch.“
„Egoistisch?“, Alex drehte sich zu ihr um.
„So etwas vor so vielen vollkommen fremden Menschen zu tun. Ohne sich dafür zu interessieren, wie furchtbar es für sie ist.“
„Hätten sich sich für ihn interessiert, wenn er es nicht getan hätte?
„Nein, wahrscheinlich nicht, aber…“
„Also, warum sollte er sich dann für sie interessieren?“

Diese Bitterkeit in diesen Worten. Es ist…unglaublich. Hier merkt man bereits, dass diese Figur viele Schmerzen im Inneren trägt, sie fühlt sich nicht aufgenommen, geborgen, unbeachtet. Sie kann mit dem Menschen, der gerade auf grausame Art und Weise Suizid begann, fühlen. Ihn verstehen.
Ebenfalls berührte mich die generelle Unsicherheit der Figur. Während allen Annäherungsversuchen seitens Kate wich er zurück, kümmerte sich, als sie sich verbrühte rührend um sie und war während des ersten sexuellen Kontakts der beiden mehr als unsicher. Er wirkte die ganze Zeit wie ein kleines Kind, das irgendwie nicht weiß, ob es überhaupt geliebt werden KANN. Und dann, als er seine Tarnung verlor, das Leiden, das Ringen um Anerkennung, das Darlegen des Grundes… Er wolle nur ein Kind wissen, dass von ihm stammt, das geliebt wird. Es ist einfach berührend. Er ist vielleicht ein psychisch gestörter Mensch, aber die fundamentalen Schreie nach Menschlichkeit, nach Liebe sind irre und überwältigend. Wie gerne hätte ich ihn in dem Arm genommen und gesagt „Alles wird gut, du hast Fehler gemacht, für die du sogar manchmal nichts konntest, aber du bist kein Monster, du bist ein Mensch und ich bleibe bei dir, du bist nicht allein. Hier ist jemand, der dich versteht, der sich um dich kümmert.“
Klingt krank? Vielleicht, aber diese „Mutterinstinkte“ löste diese fiktive Person in mir aus. Und am Ende, wo er begriff, dass die ganze Überreaktion ein riesen großer Fehler war, wie er in sich zusammenbrach, da musste ich so weinen. Wie sich dieses armes Menschenkind, dass in seiner Kindheit nie wirklich geliebt wurde, dauernd entschuldigt, sich selbst Hass und im Zuge dessen für einen qualvollen Feuertod entscheidet. Er beschrieb zu vor das Feuer als etwas Reinigendes, etwas unsagbar Schönes. Wärme, Licht. All dies spendet Feuer. Warum er in seiner Kindheit die Häuser anzündete? Weil sich niemand für ihn interessierte….er war für alle ein Nichtmensch. Es war keine Verachtung, er existierte für die meisten einfach nicht.
Dies sind für mich Traumata, die diese starken Gefühle in mir evozieren. Ich möchte solche Menschen einfach nur im Arm halten und ihnen sagen, dass das Leben nicht nur schrecklich ist. Es gibt schöne Seiten. Sie sind sicherlich nicht in der Überzahl, aber sie bringen Licht. Es gibt immer jemanden der dich liebt. So wie du bist. Und der bei dir bleibt. Egal wie du bist. Dich nicht fallen lässt. Was du auch tust.
Die ganze Zeit kämpfte ich bei der Lektüre mit meinen Tränen, an mich halten konnte ich aber wirklich nicht mehr, als Kate ihn aus den Flammen zog und draußen, selbst brennend, merkte, dass er noch lebte, wenn auch vollkommen verbrannt. Sie nimmt seine Hand und sagt „Ich bin hier“, worauf er sterben kann. Für mich ist dies eine der berührendsten Stellen, die ich lange gelesen habe. Sie liebt ihn eigentlich noch, und schenkt ihm diese Liebe in den letzten Momenten seines Lebens, damit er nicht allein stirbt, sondern so, wie er es sich immer erhofft hat: Geliebt.
Selbst wenn ich das jetzt hier schreibe muss ich weinen. Es ist einfach ein Thema, das mich emotional sehr bewegt. Denn jeder Mensch, egal wie sehr er von der Norm abweicht, hat es verdient geliebt zu werden und nicht allein zu sein. Denn er ist ein Mensch.

Wenn ich ein Baum wäre…

Wenn mich jemand früge, was für ein Baum ich wäre, dann würde ich nachdenken und wohl zu dem Schluss kommen, dass ich eine Eiche sei.
Die Eiche an sich ist ein großer starker Baum, deren Holz hart und charakteristisch ist, dennoch vollkommen schön in seiner Art. Sie ist bekannt und leicht an ihrem Äußeren zu erkennen, der Wiedererkennungswert ist hoch, wer eine Eiche gesehen hat, wird sie auch immer wieder als solche finden.
Sie trotzt vielen Kräften, lässt sich nicht einfach entwurzeln und steht viele hundert Jahre, wächst und gedeiht und überragt mit der Zeit alle.
Was mit meinen schwachen, zerbrechlichen Seiten sei? Schließlich rede ich nur von der Stärke der Eiche.
Aber sie fängt genau wie jede andere Pflanze als kleiner Spross an. Ist viele Jahre zart und verletzlich, muss erst viele Jahre wachsen, bis sie nicht vom kleinsten Wind gebogen wird, bis sie nicht jede Berührung verletzten könnte. Und auch wenn sie groß ist, so ist sie noch verletzlich. Große Stürme können sie biegen, es dauert bis sie bricht – Aber sie kann brechen. Meist fängt sie sich jedoch kurz vorm Bruch, egal wie bedrohlich sie schwankte, egal wie viele Äste abgetrennt wurden….sie steht noch und wartet darauf, dem nächsten Sturm zu trotzen.
Doch die Eiche kann auch ein schnelles Ende finden. Ein Blitz und die starke Eiche splittert wie kein anderer Baum. Ihre Furchen und Narben werden zum Verhängnis. Bis jetzt trotzte ich nur den Winden, Stürmen und auch Orkanen. Blitze schlugen in meiner Nähe ein, trafen mich jedoch nie. Und ich bete, dass mich das Gewitter noch lange verschonen wird, dass meine Eiche noch ein viele Jahrzehnte steht und ihre Krone weit in den Himmel ragt.

Mir wurde angeraten, einen Text über die Vorzüge eines funktionsfähigen Ofens zu schreiben. Warum? Weil ich zwar einen Ofen habe, dieser jedoch lediglich die Kunst der Oberhitze beherrscht.
Nun werden einige sich sagen „Was will die Olle, ich habe noch nicht mal so ein Ding“. Und das ist auch gut so. Mir wäre es lieber gar keinen zu haben als dieses Mistding. So wird man bei jedem Gang in die Küche daran erinnert, dass man einen hat, er einem aber nicht viel nützt. So ist es noch nicht einmal nötig, eine Pizza darin appetitlich zuzubereiten.
Auf der oberen Seite entwickelt sich der belegte Teigfladen durchaus wie gewünscht, bräunt und sieht recht appetitlich aus. Sollte man jedoch voller Vorfreude nach etwa einer viertel Stunde den Ofen öffnen um das Teil zu entnehmen, wird man feststellen, dass es ein wabbeliges Sonstwas ist, dass den Namen „Pizza“ bei weitem nicht verdient hat. Es fehlt die Hitze von unten.
Wodurch so ziemlich alles was man hineingibt zwar irgendwie heiß, aber nicht wirklich genießbar wird. Selbst Alufolie hilft nicht, um irgendwie Hitze an die Unterseite des Ofengutes zu bringen. Kuchen oder Brot backen – Undenkbar!
Dabei habe ich öfters das Bedürfnis Kuchen, Brot, Muffins oder kleine Brötchen zu backen. Nur leider hindert mich mein behinderter Ofen daran. Man gab mir im Bezug auf das Pizza-Problem den Rat, es in der Pfanne zu versuchen, oder das Ding einfach nach einer Viertel Stunde zu wenden. Ich habe es nicht ausprobiert und möchte ich ehrlich gesagt auch nicht.
Doch es schmerzt. Es schmerzt ein solches Küchengerät zu haben, es aber nicht wirklich zum Einsatz bringen zu können.
Heute zum Beispiel hatte ich irrsinnige Lust kleine Brötchen aus Quark-Öl-Teig mit Schinkenwürfeln zu machen. Aber nein, am Ende sind sie außen okay, innen vllt auch aber von der Unterseite keine Rede wert ekelig.
Das allerschlimmste für mich ist jedoch, dass mir niemand glauben will, dass meine Herd eine solch seltene exotherme Behinderung hat. Nur Oberhitze, wie schwachsinnig dies wäre, so etwas brauch doch keiner. Richtig, das ist ja auch mein Problem!!!! Ich weiß nicht warum das Ding nichts anderes kann, es war schon vor mir hier, ich habe es weder gekauft noch gebaut. Ich kann doch nur wiedergeben, was ich erlebe, und das ist ein Scheißding, dass einfach nur nach vollständiger Einrichtung aussieht, aber keine ist. Ein Alibi-Ofen, eine Anna Kournikova : Sieht gut aus aber kann nichts. Er ist ein……ich weiß es nicht.
Doch da wir in einer toleranten Gesellschaft leben, akzeptiere ich das Ding wie es ist, es ist ein Ofen mit besonderen Bedürfnissen und anderen Begabungen, auch wenn ich nicht weiß, wo diese liegen sollen. Hoffentlich finde ich bald ne neue Wohnung und bin dich los, Ofen! Ha!
Ehem….okay, ja. Also das war nun ein kleiner Eintrag über meinen Ofen, da ich anderweitig gerade eine Schreibblockade habe, der Aufsatz über Theodizee ein wenig hakt, keine Kurzgeschichte gerade entstehen will und mein Leben ansonsten einfach tierisch langweilig ist. Ich schaffe es ja noch nicht mal zynische Aphorismen zu formulieren, man könnte fast meinen, irgendwas sei kaputt. Wie alles in den letzten 1,5 Jahren schiebe ich es einfach mal auf Altgriechisch, das passt immer. Mit viel Glück muss ich mir dann in ein Paar Wochen eine neue Universalausrede einfallen lassen, aber bis dahin ist es noch ein wenig hin. So lange werde ich noch weinend vor meinem Ofen sitzen und mit erhobenen Händen Gott fragen, wieso er mir keinen richtigen Ofen ließ, damit ich mir mein täglich Brot zubereiten kann. Doch das geht nun ja doch wieder in Richtung Theodizee, weshalb ich meine Energien dazu in Produktives dazu verwandeln sollte, und über Alternativen, wie brennende Mülltonnen, zur Nahrungszubereitung nachdenken sollte.

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