Ich möchte hiermit gerade ein wenig meine Gedanken zum Buch“Flammenbrut“ von Beckett zusammenfügen. Nachdem ich es heute beendet habe, lässt es mich nicht mehr los. Lange nicht mehr hat mich ein Buch berührt, sodass ich weinen musste – ob es angebracht ist, ist definitiv etwas anderes. Sicherlich gibt es mehr als genug Menschen, die es nicht verstehen werden.
Worum geht es in dem Buch? Ganz ehrlich: Ich habe keinen Bock ne Inhaltsangabe zu schreiben, aber im Netz habe ich keine gefunden. Ergo: Ich muss es machen.
Kate Powell hat eine aufsteigende PR-Agentur und lässt sich noch von ihrem Ex Paul schikanieren. Dennoch findet sie ihr Leben mehr als trist und weiß nicht warum. Da kommt ihr irgendwann die Erleuchtung: EIN BABY! Aber bitte ohne einen nervigen Mann als Vater.
Was nun? Zweite Erleuchtung dank der Cosmopolitan: KÜNSTLICHE BEFRUCHTUNG!! Begeistert von dem Gedanken sucht sie sämtliche Kliniken in der Umgebung von London auf, muss jedoch feststellen, dass keine irgendwelche Daten über die Spender rausgeben will. So ganz anonym soll der Vater doch nicht sein, könnte sich ja um ein Arschloch wie ihren Ex handeln. No Go. Was nun? Lucy, ihre beste Freundin, bringt Kate unfreiwillig auf die Idee, einen bekannten Spender zu verwenden. Nach viel Bla und Blubb, inserieren in Fachzeitschriften, meldet sich Alex Turner, seiner Angaben nach Dr. der klinischen Psychologie.
Kate ist hin und weg vom schüchternen, attraktiven Mann. Auch nach ausgiebigen Recherchen: Der ideale Spender. Sie findet eine Klinik, die das auch so machen würde und alle sind quasi glücklich. Alex und sie verbringen viel Zeit, es knistert, aber nein kein Mann, so war das. Nachdem die Befruchtung aber durchgenommen wurde, wird Kate am Abend unerwartet auch noch mal von Alex durchgenommen. Auch wenn es Anlaufschwierigkeiten gibt (Virginität des Männchens, welcher ein erfrühter Samenerguss folgt, welcher wiederum Frustration folgt, welcher wiederum weibliches Verständnis und Nächte voll leidenschaftlichen Sex’ folgen. (Trivial?)). Sie werden mehr oder minder ein Paar, glücklich, zufrieden. Dann geht Alex eines Tages aus dem Haus, Kate macht einen Schwangerschaftstest und hey, er ist positiv. Sie ruft bei ihm in der Klinik an, er hat keine Zeit, daher schickt sie ihm ein Fax.
Alex meldet sich nicht. Einen Tag später steht die Polizei vor der Tür: Das Büro von Dr. Alex Turner sei abgebrannt und er mit ihm. Seine Ehefrau sei nicht in der Lage ihn zu identifizieren, daher solle Kate dies als die „Geliebte“ tun. Starr vor Schreck und Ärger und Angst macht sie sich auf: Der Tote ist nicht Alex! Huch, ja wer denn dann? Sie gibt dem Polizisten ein Foto von ihrem Alex, in der Hoffnung, das Missverständnis würde sich klären.
Tut es auch. Ihr Alex ist ein Timothy, kein Arzt sondern der Patient des echten Turner, ein schizoider Pyromane, der seine Familie samt Haus abgefackelt hatte.
Schock. Kate ist durch und durch überfordert. Was nun? Sie geht nach Hause, nach ein paar Tagen meldet sich Timothy aka Alex. Er ist wie ein Häufchen Elend, weiß nicht, was in ihn gefahren ist. Er hat sich als Turner ausgegeben, damit er eine Chance hatte, dass sie ihn als Vater auswählt. Denn er wollte nur eins: Wissen, dass er ein Kind gezeugt hat, dass geliebt würde, dass er so eine zweite Chance bekäme. Und noch viel schlimmer: Er liebt sie.
Kate interessiert das nicht, obwohl, doch schon, aber sie reagiert wie eine echte Frau, eine echte schwangere Frau und wir hysterisch. Sie habe das Kind abgetrieben. Verbrannt. Getötet.
Diese Aussage bringt das Fass bei Timothy zum Überlaufen, er versteht nicht, wie man ein Kind töten kann, er hört nicht mehr, wie Kate ihm versucht beizubringen, dass es ein Scherz war. So, was folgt nun? Kate wird Opfer eines Brandanschlages, einer Plakate-Mobbingaktion (wodurch alle Kunden ihrer Firma ihre Aufträge zurückziehen), Paul wird ermordet und am Schluss werden ihre Freunde als Geiseln genommen und sollen angezündet werden. Der Showdown quasi.
Kate soll ihre Freunde anzünden. Sie schafft es jedoch auf Timothy einzureden, die beiden merken, dass sie sich eigentlich lieben, Kate kann ihm endlich klar machen, dass sie immer noch einen Braten in der Röhre hat und ihm tut es alles auf einmal irrsinnig leid. So leid, dass er sterben will. Er tut das, was tibetanische Mönche machen, er zündet sich an (jaja, nicht PC aber ihr könnt mich mal).
Mit vielen Verbrennungen schafft es Kate sich und die Familie samt Kindern zu retten, selbst den stark verbrannten Timothy kann sie noch kurz vor seinem Ableben retten. Das Buch endet mit dem Epilog, dass ihre Haare nachgewachsen waren und einen Jungen zur Welt bringt.
Das war der Inhalt des Buches. Es ist unglaublich vorhersehbar, es ist auch irgendwie kein Thriller, aber dennoch hat mich das Buch berührt. Es war die Figur des Alex Turner bzw des Timothy Ellis. Ein unglaublicher Dialog im Buch lautet (nachdem sich vor den Augen der beiden ein Mann in ein Festfeuer gestürzt hat)
K: „Es scheint mir so… Ich weiß nicht. Irgendwie egoistisch.“
„Egoistisch?“, Alex drehte sich zu ihr um.
„So etwas vor so vielen vollkommen fremden Menschen zu tun. Ohne sich dafür zu interessieren, wie furchtbar es für sie ist.“
„Hätten sich sich für ihn interessiert, wenn er es nicht getan hätte?
„Nein, wahrscheinlich nicht, aber…“
„Also, warum sollte er sich dann für sie interessieren?“
Diese Bitterkeit in diesen Worten. Es ist…unglaublich. Hier merkt man bereits, dass diese Figur viele Schmerzen im Inneren trägt, sie fühlt sich nicht aufgenommen, geborgen, unbeachtet. Sie kann mit dem Menschen, der gerade auf grausame Art und Weise Suizid begann, fühlen. Ihn verstehen.
Ebenfalls berührte mich die generelle Unsicherheit der Figur. Während allen Annäherungsversuchen seitens Kate wich er zurück, kümmerte sich, als sie sich verbrühte rührend um sie und war während des ersten sexuellen Kontakts der beiden mehr als unsicher. Er wirkte die ganze Zeit wie ein kleines Kind, das irgendwie nicht weiß, ob es überhaupt geliebt werden KANN. Und dann, als er seine Tarnung verlor, das Leiden, das Ringen um Anerkennung, das Darlegen des Grundes… Er wolle nur ein Kind wissen, dass von ihm stammt, das geliebt wird. Es ist einfach berührend. Er ist vielleicht ein psychisch gestörter Mensch, aber die fundamentalen Schreie nach Menschlichkeit, nach Liebe sind irre und überwältigend. Wie gerne hätte ich ihn in dem Arm genommen und gesagt „Alles wird gut, du hast Fehler gemacht, für die du sogar manchmal nichts konntest, aber du bist kein Monster, du bist ein Mensch und ich bleibe bei dir, du bist nicht allein. Hier ist jemand, der dich versteht, der sich um dich kümmert.“
Klingt krank? Vielleicht, aber diese „Mutterinstinkte“ löste diese fiktive Person in mir aus. Und am Ende, wo er begriff, dass die ganze Überreaktion ein riesen großer Fehler war, wie er in sich zusammenbrach, da musste ich so weinen. Wie sich dieses armes Menschenkind, dass in seiner Kindheit nie wirklich geliebt wurde, dauernd entschuldigt, sich selbst Hass und im Zuge dessen für einen qualvollen Feuertod entscheidet. Er beschrieb zu vor das Feuer als etwas Reinigendes, etwas unsagbar Schönes. Wärme, Licht. All dies spendet Feuer. Warum er in seiner Kindheit die Häuser anzündete? Weil sich niemand für ihn interessierte….er war für alle ein Nichtmensch. Es war keine Verachtung, er existierte für die meisten einfach nicht.
Dies sind für mich Traumata, die diese starken Gefühle in mir evozieren. Ich möchte solche Menschen einfach nur im Arm halten und ihnen sagen, dass das Leben nicht nur schrecklich ist. Es gibt schöne Seiten. Sie sind sicherlich nicht in der Überzahl, aber sie bringen Licht. Es gibt immer jemanden der dich liebt. So wie du bist. Und der bei dir bleibt. Egal wie du bist. Dich nicht fallen lässt. Was du auch tust.
Die ganze Zeit kämpfte ich bei der Lektüre mit meinen Tränen, an mich halten konnte ich aber wirklich nicht mehr, als Kate ihn aus den Flammen zog und draußen, selbst brennend, merkte, dass er noch lebte, wenn auch vollkommen verbrannt. Sie nimmt seine Hand und sagt „Ich bin hier“, worauf er sterben kann. Für mich ist dies eine der berührendsten Stellen, die ich lange gelesen habe. Sie liebt ihn eigentlich noch, und schenkt ihm diese Liebe in den letzten Momenten seines Lebens, damit er nicht allein stirbt, sondern so, wie er es sich immer erhofft hat: Geliebt.
Selbst wenn ich das jetzt hier schreibe muss ich weinen. Es ist einfach ein Thema, das mich emotional sehr bewegt. Denn jeder Mensch, egal wie sehr er von der Norm abweicht, hat es verdient geliebt zu werden und nicht allein zu sein. Denn er ist ein Mensch.